Drohende
Strom-Mangellage: Informationen für Gemeinden

Der Ukraine-Krieg, abgeschaltete AKW in Frankreich und ein trockener Sommer führen in der Schweiz dazu, dass die Energie knapp werden könnte – besonders im Hinblick auf den Winter. Um einer drohenden Strom-Mangellage entgegenzuwirken, haben das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und das Eidg. Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) gemeinsam mit den Kantonen, Gemeinden, Branchenverbänden und Vertretern der Zivilgesellschaft am 31. August 2022 eine landesweite Sparkampagne lanciert. Diese steht unter dem Motto «Energie ist knapp. Verschwenden wir sie nicht.» (www.nicht-verschwenden.ch).

Ziel ist es, den Energieverbrauch in der Schweiz auf freiwilliger Basis massgeblich und rasch zu senken. Reicht dies absehbar nicht aus, kann der Bundesrat verpflichtende Massnahmen anordnen (siehe unten den Reiter «Massnahmen bei einer drohenden Strom-Mangellage»).

Um eine solche Energiekrise zu verhindern, hat sich eine breit aufgestellte Energiespar-Alliance formiert (www.alliance2022-23.ch). Die Unterzeichnenden, zu denen auch der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) gehört, setzen sich dafür ein, Energie sparsam und effizient zu nutzen und die Versorgungssicherheit im Energiebereich rasch zu erhöhen.

Auf der Plattform des Schweizerischen Gemeindeverbands finden Gemeindeangestellte und -politiker laufend neue Informationen zum Thema Strom-Mangellage.

Twitter-Feed des Bundesamts
für Energie BFE:

Tipps für Gemeinden

Das Kampagnen-Komitee stellt auf seiner Webseite einen Download-Bereich mit Informationen und Ratschlägen zuhanden verschiedener Anspruchsgruppen zur Verfügung.

U.a. befindet sich darunter ein Bereich mit Informationen für die Gemeinden und Kantone. Ebenfalls enthalten ist eine Briefvorlage, mit der Gemeinden ihre EinwohnerInnen zum Energiesparen anhalten können.

Im Shop für Bundespublikationen können Gemeinden ausgewählte Werbemittel wie Aufkleber, Flyer und Plakate bis zu einer Bestellmenge von 10'000 Stück kostenlos beziehen.

Eine Liste mit konkreten Empfehlungen, wie Gemeinden und Kantone Energie sparen können, hat der Vorstand der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK) veröffentlicht.

Eine Liste mit konkreten Massnahmen, wie Gemeinden ihren Energieverbrauch senken können, hat auch der Schweizerische Städteverband herausgegeben. 

Der Strom-Ratgeber des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) informiert, wie sich Wirtschaft, Bevölkerung und Kantone auf eine Strom-Mangellage vorbereiten und wie sie auf eine eingetretene Strom-Mangellage reagieren können. Vieles davon lässt sich auch auf die Gemeinden übertragen.

Eine neue Online-Plattform des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) informiert über verschiedene Aspekte rund ums Thema «Wohnen und Energiemangel».

Gemeinsam mit seinen Partnern hat der Schweizerische Gemeindeverband im letzten Herbst ein speziell an Gemeinden gerichtetes Merkblatt zur Begrenzung von Lichtemissionen herausgegeben.

Massnahmen bei einer drohenden Strom-Mangellage

Sollte sich abzeichnen, dass das Strom-Angebot knapp wird, stehen dem Bundesrat verschiedene Massnahmen zur Verfügung. Diese reichen von freiwilligen Sparappellen bis hin zur stundenweisen Abschaltung des Netzes.

strommangel D

Energiespar-Alliance

bild alliance

Um der Sparkampagne nicht-verschwenden.ch Nachdruck zu verleihen, haben Behörden, Verbände, sowie Vertreter aus der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft eine Energiespar-Alliance gebildet. Deren Mitglieder, zu denen auch der Schweizerische Gemeindeverband gehört, haben sich verpflichtet, ihre Ziele im Bereich Energiesparen zu forcieren, die Inhalte der Sparkampagne aktiv zu kommunizieren und allenfalls weitere, eigene Effizienzmassnahmen umzusetzen.

Damit tragen die Mitglieder der Alliance auf freiwilliger Basis dazu bei, dass die Energieversorgung so lange wie möglich sichergestellt ist. Ziel ist, dass keine Abschaltungen notwendig werden, und dass es so weit wie möglich keine neuen Vorschriften braucht.

Ein Beitritt zur Energiespar-Alliance steht Vertretern der öffentlichen Hand, der Wirtschaft oder der Zivilgesellschaft auch weiterhin offen. Der offizielle Gründungsakt der Alliance findet am 26. Oktober 2022 statt.

Kontakt zu den Fachstellen

Bund

Für alle Fragen rund ums Energiesparen, der Umsetzung von Spartipps oder für technische Fragen haben die Träger der Sparkampagne eine Hotline eingerichtet:

Telefonisch: 0800 005 005
Oder per Mail an: hotline@bwl.admin.ch

Kantone

Download Fachliteratur

Von der Lüftung von Radiatoren über die Enteisung von Kühlgeräten bis zur Reinigung der Wärmepumpe: EnergieSchweiz bietet eine Vielzahl von praktischen Ratgebern, die auch für Gemeinden von Relevanz sind.

Speziell an Bauherren und HauseigentümerInnen wenden sich die Publikationen der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK).

Zur energetischen Optimierung von Gebäuden findet sich auf der Webseite der Sparkampagne auch dieser Ratgeber.

Und was tut Ihre Gemeinde?

Um zu verhindern, dass es zu einer Strom-Mangellage kommt, sind alle gefordert: Unternehmen, Bevölkerung und (Gemeinde-)Behörden. Besonders motivierend wirken dabei «Leuchttürme»: Gute Beispiele, an denen sich andere orientieren können. Hat Ihre Gemeinde bereits ein eigenes Stromspar-Konzept erarbeitet? Oder sich zu speziellen Massnahmen verpflichtet? Informieren Sie uns via verband@chgemeinden.ch, Betreff «Nicht verschwenden», und Ihre Gemeinde kann anderen Städten und Dörfern auf dieser Plattform ein Beispiel werden.

In Riehen BS hat der Gemeindeführungsstab entschieden, auf die Beleuchtung in öffentlichen Gebäuden zu verzichten, sofern genügend Tageslicht vorhanden ist. Alle elektronischen Geräte, insbesondere auch Computer, sollen bei Nichtgebrauch vollständig ausgeschaltet werden. Zudem sind die Mitarbeitenden der Verwaltung aufgefordert, an ihrem Arbeitsplatz energiesparende Massnahmen umzusetzen.

Mit Beginn der Heizperiode wird in Riehen auch die maximale Raumtemperatur in den öffentlichen Gebäuden reduziert. Heizlüfter, Ventilatoren, Luftbefeuchter usw. sind nicht mehr gestattet. Für Kindergärten und Primarschulen können Ausnahmen gemacht werden.

Die Stadt Baden verzichtet auf Anstrahlbeleuchtungen beim Stadtturm, dem Stadthaus, der katholischen Kirche, beim Landvogteischloss und bei der Ruine Stein. Zudem hat der Stadtrat für den Fall einer Strom-Mangellage einen vierstufigen Massnahmeplan beschlossen, der bis zur Ausserbetriebnahme der gesamten öffentlichen Beleuchtung reicht. In diesem Fall würden täglich 2500 Kilowattstunden oder der Tagesverbrauch von gut 200 Haushalten eingespart.

In Val-de-Ruz NE waren bereits bisher rund 2100 Lampen und Leuchtkörper von Mitternacht bis 4:45 Uhr ausgeschaltet. Nun verlängert die Gemeinde die Dauer auf 22 bis 6 Uhr. Verzichtet wird auch auf die Anstrahlung öffentlicher Gebäude sowie auf eine Weihnachtsbeleuchtung. Die Gemeinde ruft zudem auch die Bevölkerung dazu auf, auf Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. An Läden und das Gewerbe ergeht die Bitte, Leuchtreklamen und Parkplatzbeleuchtungen nach Ladenschluss auszuschalten.

In Olten hat der Stadtrat entschieden, die Beleuchtungsdauer der Weihnachtsbeleuchtung um einen Viertel oder zweieinhalb Stunden zu kürzen. Die Raumtemperatur in Schulhäusern, in den Räumen der Stadtverwaltung oder in städtischen Institutionen wie Museen oder Bibliotheken wird auf 20 Grad beschränkt; ab Oktober werden Kirchen und die Holzbrücke nicht mehr beleuchtet.

In Horw LU teilt die Gemeinde mit, sie investiere früher als geplant in energiesparende LED-Leuchtkörper für die Strassenlaternen. Reduziert wird auch die Weihnachtsbeleuchtung; zudem ruft die Gemeinde die Bevölkerung auf, private Weihnachtsbeleuchtung ebenfalls zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.

Chur hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die mögliche Stromeinsparungen bei stadteigenen Betrieben und Anlagen evaluieren soll. Ins Auge gefasst werden dabei insbesondere Einschränkungen bei der Beleuchtung, der Heizung und der Wassertemperatur im Hallenbad.

Um das städtische Sparziel von 15 Prozent zu erreichen, hat die Stadt Bern den Dialog mit den OrganisatorInnen von Weihnachts- und Winteranlässen gesucht. Demnach verzichten die Betreiber der Kunsteisbahn auf dem Bundesplatz auf die energieintensive Produktion einer Eisfläche. Stattdessen wird synthetisches Eis aus Hartplastik verwendet. Das Lichtspiel «Rendez-Vous Bundesplatz» setzt die Vorführungen jeweils am Montag aus; die angegliederte Gastronomie von Anlässen und Weihnachtsmärkten beheizt die Innenräume nur bis maximal 18 Grad.

Die Stadt selbst hat angekündigt, die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt nur bis 22 Uhr statt wie in den vergangenen Jahren die ganze Nacht eingeschaltet zu lassen. Private OrganisatorInnen von Weihnachtsmärkten und -anlässen müssen die Beleuchtung spätestens um Mitternacht ausschalten. Zudem wird die Raumtemperatur in Verwaltungsgebäuden und Schulen auf 20 Grad gesenkt. Die Wassertemperatur der städischen Hallenbäder wird um 1 bis 2 Grad gesenkt; in öffentlichen Verkehrsmitteln wird die Temperatur um bis zu 4 Grad gesenkt. Leuchtreklamen städtischer oder stadtnaher Organisationen werden abgeschaltet; öffentliche und historische Gebäude nicht mehr angestrahlt.

In St. Gallen haben der Kanton, die Gemeinden und die Unternehmen ein gemeinsames Vorgehen beschlossen, um der drohenden Strom-Mangellage zu begegnen. Die Sparmassnahmen umfassen die Beschränkung der Raumtemperatur auf höchstens 19 bis 20 Grad, die Abschaltung der nicht-sicherheitsrelevanten Aussenbeleuchtung, sowie ein Verzicht auf Weihnachtsbeleuchtung in Innenräumen. Leuchtreklamen und Schaufenster werden zwischen 22 und 6 Uhr nicht beleuchtet, Apparate wie Lampen, Drucker und Router nach dem Gebrauch ausgeschaltet. Zudem wollen die Behörden das Umrüsten auf energiesparende Leuchten und Bewegungsmelder vorantreiben. Das Personal wird ermutigt, die Raumtemperatur auch zuhause auf 19 bis 20 Grad zu beschränken.

Mit diesen Massnahmen wollen die Akteure mindestens fünf Prozent Strom (und 15 Prozent Gas) einsparen. Sollte dies nicht reichen, ist ein zweites Massnahmepaket vorgesehen, das etwa die Abschaltung des Warmwassers in Verwaltungsgebäuden beinhaltet.

Zudem hat auch der Stadtrat der Stadt St. Gallen verschiedene Sparmassnahmen bekanntgegeben. So soll die Raumtemperatur in Turnhallen und Sportzentren auf 16 Grad gesenkt werden; im öffentlichen Verkehr wird die Temperatur im Fahrgastraum von 22 auf 18 Grad reduziert.

Das Beratungszentrum für die öffentliche Hand «Antenne Région Valais romand» hat mit Vertretern aus Unterwalliser Gemeinden und verschiedenen kantonalen Dienststellen eine Taskforce gebildet. Gemeinsam soll ein Katalog mit rasch umsetzbaren Sparmassnahmen erarbeitet werden. Mit der Bildung der Taskforce einher ging der Aufruf an die Gemeinden, konkrete Massnahmen vorzuschlagen.

Bekannt ist auch das Energiespar-Konzept des Bundes . Wie der Bundesrat Mitte September bekanntgab, wird die Raumtemperatur in zivilen und militärischen Bundesbauten sowie in den Institutionen des ETH-Bereichs in der kommenden Heizperiode auf 20 Grad begrenzt. In der Bundesverwaltung wird - wo möglich - das Warmwasser abgestellt und die Dauer der Heizabsenkung über Nacht sowie übers Wochenende verlängert. Nicht sicherheitsrelevante Beleuchtung sowie Geräte, die nicht zwingend in Betrieb sein müssen, werden abgeschaltet. Zudem soll der Verwaltungsbetrieb zwischen Weihnachten und Neujahr so reduziert werden, dass möglichst wenig Gebäude betrieben werden müssen. Mit diesen Massnahmen einher geht eine interne Schulung der MitarbeiterInnen zum energiesparenden Verhalten am Arbeitsplatz.

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