Ein Projekt des Schweizerischen Gemeindeverbands.
Un projet de l’Association des Communes Suisses.
Un progetto dell’Associazione dei Comuni Svizzeri.

DigiLoge Bedürfniserhebung

05.02.2020

Lorenz Kurtz, PLANVAL

Wie digitale Tools beitragen, die Bedürfnisse der Bevölkerung in Erfahrung zu bringen und zu motivieren, einen aktiven Beitrag zur Gestaltung des eigenen Lebensraums zu leisten.


Unsere Erfahrung mit Dorf- und Gemeindeentwicklungsprozessen zeigt: Menschen engagieren sich grundsätzlich sehr gerne für ihren Wohn- und Lebensort – jedoch weniger auf abstrakter und übergeordneter Ebene, sondern vielmehr ganz konkret. Was interessiert, sind konkrete und umsetzbare Massnahmen und Projekte, die den eigenen Lebensraum verbessern. 

Will man die Bevölkerung einer Gemeinde zur Mitwirkung gewinnen, ist es unserer Erfahrung nach von zentraler Bedeutung, die Menschen kennenzulernen und vor allem ihre Bedürfnisse und Sorgen zu erfahren. In drei sehr unterschiedlichen Gemeinden haben wir damit in den letzten drei Jahren wertvolle Erfahrungen sammeln können – bei der Dorfkernentwicklung in Plaffeien FR sowie den Gemeindeentwicklungsprozessen in Fischenthal ZH und Saanen BE. 

In allen drei Orten haben wir sehr offen und breit die Bedürfnisse der Bevölkerung abgeholt. Zu diesem Zweck wurden sowohl analoge als auch digitale Tools eingesetzt. Einerseits konnte die Bevölkerung über eigens für den Prozess bereitgestellte Websites ihre Anliegen, Sorgen und Bedürfnisse einbringen – und auch ein Instagram-Account bot dieselbe Möglichkeit. Andererseits nutzten wir bestehende öffentliche Anlässe in den Gemeinden, um die Bedürfniserhebung im direkten Austausch mit den Menschen zu betreiben.

Es stellt sich nun die Frage, was am Ende tatsächlich den grösseren Mehrwert bringt – der digitale oder der analoge Weg? Unsere Erkenntnis ist hierbei klar: eine gute Kombination von beidem, also «DigiLog» macht es aus! 

Mithilfe von Onlinetools können viele Menschen auf eine einfache und schnelle Art ihre Anliegen deponieren. Über Instagram können beispielsweise auch Bilder und Eindrücke gesammelt werden: Wo im Dorf halte ich mich gerne auf? Welcher Fleck stört mich am meisten? In erster Linie spricht dieser Kanal eher jüngere Menschen an. 

Der digitale Weg hat jedoch auch seine Grenzen. Die Nutzung einer Projektwebsite bedingt, dass sie in der Bevölkerung bekannt ist. Mit der Fülle von Informationen, Websites und anderem ist dies aber schwieriger als man denkt – vor allem zu Beginn eines Entwicklungsprozesses. Die Bekanntheit der Website wächst auch mit der Dauer eines Prozesses. Am Anfang, wenn wir die Bedürfnisse erheben, ist sie noch wenig bekannt. Welche Möglichkeiten man in einer Gemeinde hat, um einen Prozess, ein Projekt oder eben eine Website bekannt zu machen, ist sehr unterschiedlich und hängt stark von den vorhandenen Kommunikationskanälen ab. 

Zudem schliesst der digitale Weg auch immer einen Teil der Bevölkerung aus – vor allem ältere Menschen und solche, die wenig affin sind, mit Computer und Smartphone zu agieren. Und am Ende ist die Eingabe eines Textes über eine Website für alle immer auch eine Hürde, die überwunden werden muss: Soll ich mich wirklich schriftlich äussern? Wer liest meine Nachricht? Ist der Datenschutz gewährleistet? 

Im direkten Kontakt mit der Bevölkerung stellen sich diese Fragen nicht. Man hört und spürt viel einfacher, wo der Schuh zu drücken scheint. Zudem ist ganz entscheidend, dass Äusserungen durch Nachfragen besser in den aktuellen Kontext gestellt werden können. Das ist für den «bedürfnisorientierten» und «nutzerzentrierten» Ansatz, den wir wählen, zentral – schliesslich wollen wir die Bevölkerung einer Gemeinde verstehen.   

Die analoge Bedürfniserhebung ist jedoch sehr ressourcenintensiv und auch begrenzt: an einem Tag mehr als 20 Gespräche zu führen, ist anspruchsvoll und anstrengend. Ausserdem spricht jeder Anlass auch immer nur ein gewisses Publikum an – eine Verzerrung der gesammelten Eindrücke lässt sich somit nicht vermeiden. 

Aus unserer Sicht ist auf jeden Fall eine geschickte Kombination von digitalen Tools und analogen Methoden am geeignetsten, um eine möglichst breite und offene Bedürfniserhebung durchzuführen. 

Lorenz Kurtz, Mitglied Geschäftsleitung PLANVAL, info@planval.ch


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