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verfolgen: Effizienz, auf erneuerbare Energie setzen und

den Verbrauch minimieren. Dank höherer Effizienz von

Geräten, Gebäuden und Fahrzeugen ist weniger Energie

nötig, um denselben Zweck zu erfüllen. Eine nachhaltige

Energieproduktion ist dann gegeben, wenn erneuerbare

Energieträger anstelle von nicht erneuerbaren Energieträ-

gern eingesetzt werden. Und mit der Minimierung des

Verbrauchs, d.h. einer genügsamen Lebens- und Wirt-

schaftsweise, werden die Ressourcen geschont.

Was heisst das nun konkret für eine durchschnittliche

Schweizer Gemeinde mit etwa 1500 Einwohnern, deren

Energieverbrauch pro Kopf und deren Energiepreise im

schweizerischen Mittel liegen? Im Jahr 2010 wurden in

dieser Gemeinde insgesamt – d. h. gesamter Bedarf der

Gemeinde und aller Einwohner inklusive Industrie und

Gewerbe – rund 157 TJ Endenergie verbraucht (siehe Abbil-

dung 2). Gemäss der Energiestrategie 2050 des Bundes soll

sich dieser Verbrauch bis ins Jahr 2050 um 45 Prozent

verringern, auf rund 85 TJ. Auffallend ist dabei einerseits,

dass sich der Verbrauch von Treibstoffen und andern

fossilen Energieträgern jeweils um den Faktor 3,75 verrin-

gern soll. Dadurch sinkt der relative Anteil dieser Energie-

träger von über zwei Dritteln des gesamten End-

energieverbrauchs auf noch einen Drittel. Andererseits

soll sich der Bedarf an erneuerbaren Energien etwa

verdoppeln, womit der Anteil der erneuerbaren Energien

am gesamten Endenergieverbrauch von 5 Prozent auf über

20 Prozent steigt. Der Anteil der Elektrizität am End-

energiebedarf erhöht sich, wenngleich sich der Verbrauch

in absoluten Werten etwas verringern soll. Welchen Anreiz

haben Gemeinden, diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen?

Zur Beantwortung dieser Frage lohnen sich weiter-

führende Überlegungen zur Wertschöpfungskette der

Energieträger.

… und dadurch lokale/regionale Wertschöpfung

generieren

In der Schweiz belaufen sich die Endverbraucherausgaben

für Erdölprodukte aktuell auf rund 20Milliarden Franken

pro Jahr. Diese Mittel fliessen fast ausschliesslich ins

Ausland ab, nur ein kleiner Teil der Wertschöpfung mit

Erdölprodukten bleibt im Inland (z. B. durch Tankstellen,

Raffinerien). Grösser ist die inländische Wertschöpfung bei

den rund 3Milliarden Franken Ausgaben der Endverbrau-

cher für die anderen fossilen Energieträger wie Erdgas, wo

beispielsweise der Betrieb des Verteilnetzes einen wesent-

lichen Faktor darstellt. Grundsätzlich kann die lokale und

regionale Wertschöpfung massgeblich gesteigert und der

Geldabfluss ins Ausland verringert werden, indem der

Import von fossilen Energieträgern reduziert und die

Nutzung von «einheimischer» erneuerbarer Energie geför-

dert wird. Die Umsetzung der hierfür nötigen Massnahmen

ist zwar mit Investitionen verbunden, zahlt sich mittel-

und langfristig aber aus, da die Wertschöpfung im Inland

zunimmt, die Abhängigkeit vom Ausland reduziert und

damit die Versorgungssicherheit erhöht sowie gleichzeitig

das Klima geschont wird.

Im Unterschied zu Unternehmen, die ihre Investitionen

innerhalb weniger Jahre amortisieren müssen, orientieren

sich Gemeinden an langfristigen Investitionsstrategien. Sie

verfügen damit über vielfältige Möglichkeiten, mit

zukunftsgerichteten Investitionen im Energiebereich die

lokale und regionale Wertschöpfung nachhaltig zu stei-

gern. Schon heute beträgt die «Paybackdauer», also die

Zeit, bis der finanzielle Aufwand durch Einsparungen beim

Verbrauch kompensiert ist, in vielen Energieeffizienzpro-

jekten weit unter zehn Jahre. Dies stellt für viele Unter-

nehmen ein grosses Hindernis für den Investitionsentscheid

dar, eröffnet aber gerade Gemeinden mit einer

Abb. 2:

Endenergiebedarf einer

1500-Einwohner-Gemeinde (Beispiel)

Quelle: BKW Energie AG

Diverses

erneuerbar

Treibstoffe

fossil

Elektrizität

Diverses

Holz und übrige erneuerbare Energie

(Sonne, Umwelt, Biogas)

Treibstoffe

fossile Brennstoffe (Gas/Öl)

Elektrizität

180

160

140

120

100

80

60

40

20

0

2010

2050

Terajoule pro Jahr