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Kontakt

Roland Boller

Abwasserverband Morgental

Bleichestr. 45

Postfach 140

9323 Steinach

Tel. 071 447 12 80

r.boller@morgental.ch

Link

www.morgental.ch

Energiedienstleister als Contractor

Der erste Schritt hin zum Energiepark war der Bau der

neuen Energiezentrale, die Ende 2012 fertiggestellt wurde.

Hier wird Klärgas über vier Gasturbinen in Strom umge-

wandelt. Zudem nutzen Wärmepumpen die Abwärme aus

dem Abwasser der ARA. Der Abwasserverband holte dafür

den Nordwestschweizer Energiedienstleister EBM als Cont-

ractor ins Boot. Auch beim Ausbau des Wärmeverbund-

netzes, seit 2011 im Gang, tritt die EBM als Contractor auf.

Das Netz soll im Endausbau Bezüger in Steinach, Arbon

und Umgebung mit Heizwärme und Warmwasser

versorgen. Zudem realisierte die EBM auf dem ARA-Areal

eine Holzfeuerungsanlage. Seit diesem Jahr werden dort

jährlich bis zu 6000 Tonnen vorsortiertes Abbruchholz

verfeuert; die Leistung des Holzkessels beträgt 2,4 Mega-

watt. Die Wärme wird in den Wärmeverbund eingespeist.

Zusammen mit der Abwasserwärme und der Überschuss-

wärme der Kläranlage kann der Wärmebedarf zu 84 Pro-

zent mit erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden. Für

die Spitzenlast wird Heizöl verwendet.

Ein weiterer wichtiger Partner des Energieparks ist die

Stadt St. Gallen. Seit 2013 leitet sie das gereinigte

Abwasser der ARA Hofen durch eine Druckleitung zur

190 Meter tiefer gelegenen ARA Morgental. Dort wird es

in einem Abwasserkraftwerk zur Stromgewinnung turbi-

niert, auch wird die Restwärme genutzt, bevor es in den

Bodensee geleitet wird. Die jährliche Stromproduktion

beträgt vier Gigawattstunden.

Sonne und Wind nutzen

Im Energiepark Morgental wird auch die Kraft der Sonne

genutzt. Auf den Dachflächen der Energie- sowie der

Holzwärmezentrale wurden Photovoltaikanlagen montiert.

Diese verfügen über eine Modulfläche von 1300 Quadrat-

metern und eine Leistung von rund 0,2 Gigawatt. Auch

eine Windturbine ist in Betrieb, deren Stromproduktion mit

jährlich 10000 Wattstunden allerdings verschwindend

klein. «Wir betreiben die Turbine vor allem für Schulungs-

zwecke», sagt Boller.

Neben all den Erfolgen musste der Abwasserverband

kürzlich auch eine Niederlage einstecken: Die geplante

Biogasanlage kommt vorerst nicht zustande. Die EKT

Energie Thurgau hat sich Anfang Jahr aus dem Projekt

zurückgezogen. Boller kann damit leben, dass die Anlage

nicht realisiert wird, hätte sie aber als «Teil des Ganzen»

begrüsst.

Gewinn durch Partnerschaften

Für Boller ist klar, dass es für grosse Investitionen, wie sie

im Fall des Energieparks getätigt werden, Partner braucht.

«Partnerschaften eingehen heisst, Risiken zu minimieren,

das erforderliche Know-how bei Fachunternehmen abzu-

holen und für die Kläranlage trotzdem eine Win-Situation

durch Wärmeverkauf, Baurechtszinsen, Betriebsunterstüt-

zung und Direktbeteiligungen an gemeinsam genutzten

Infrastrukturanlagen zu generieren.» Die Kläranlage

erwirtschaftet mit dem Energiepark einen jährlichen

Kostendeckungsbeitrag von schätzungsweise 450000 Fran-

ken – ohne dabei das Risiko des Strom- und Wärmehandels

selbst tragen zu müssen.

E-Bikes an Ökostrom-Tankstelle aufladen

Nun möchten sich Boller und der Abwasserverband wieder

vermehrt auf ihre Kernaufgabe konzentrieren. Was nicht

heisst, dass dem Geschäftsführer die Ideen ausgehen. So

schwebt ihm bereits eine Ökostrom-Tankstelle neben der

ARA vor. Die Besucher des benachbarten Sportplatzes

sollen dort dereinst ihre E-Bikes aufladen — mit Strom aus

der Kläranlage.

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Die Energiezentrale, Ende 2012

fertiggestellt, beinhaltet die

technischen Anlagen zur Wär-

merückgewinnung aus dem Ab-

wasser sowie der Klärgasver-

wertung.

>

Energie aus Abwasser, Holz und

Sonne: Im Kraftwerk der Stadt

St. Gallen (links) wird das gerei-

nigte Abwasser der Kläranlage

Hofen in Strom umgewandelt.

In der Holzwärmeanlage der

EBM können jährlich bis zu

6000 Tonnen Abbruchholz ver-

feuert werden. Die Wände sind

mit einer Photovoltaikanlage

ausgerüstet.

Zahlen und Fakten

Produktion erneuerbare Energie:

9 Mio. kWh Strom; 15 Mio. kWh Wärme

Mit der am Standort ARA Morgental produzierten

Energie können bis zu 4000 Haushaltungen oder

15 000 Einwohner mit Strom und Wärme versorgt werden.