Previous Page  16 / 36 Next Page
Basic version Information
Show Menu
Previous Page 16 / 36 Next Page
Page Background

16

I

17

Mit dem Solarpreis 2013 hat sich Altbüron (LU) schweizweit als Solargemeinde einen Namen gemacht.

Den Impuls gaben zwei innovative Unternehmen im Ort. Der Gemeinderat zog tatkräftig mit.

Sonnenkönigin der Schweizer Gemeinden

Altbüron (LU)

I

950 Einwohner

I

Photovoltaikanlagen

Die Gemeinde Altbüron liegt idyllisch im Tal der Rot,

unweit vom Kloster St. Urban. Am Südhang stehen neue

Ein- und Mehrfamilienhäuser. Die 991 Einwohner

zählende Gemeinde konnte in den vergangenen drei

Jahren fast 50 Neuzuzüger verzeichnen. Im Mittelpunkt

der Ortschaft thront unübersehbar die Antoniuskapelle.

Von hier aus wird deutlich, weshalb sich Altbüron den Ruf

als Solargemeinde erworben hat: Bauvorstand Andreas

Meyer zeigt auf zahlreiche Solaranlagen. Herausragend

sind dabei zwei grosse Werkhallen sowie die drei Schul-

häuser mit ausgedehnten Solardächern. Auf den insge-

samt 10000 Quadratmetern Altbüroner Dächern wird

Strom en masse produziert. Das Dorf erzeugt 32 Prozent

seines gesamten Strombedarfs mit Sonnenenergie; das

sind 1580 Watt (Wp) pro Einwohner. So viel wie kein

anderes Dorf in der Schweiz. Dafür wurde Altbüron Ende

2013 mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet.

Innovatives Gewerbe

Wie kam es dazu? «Wir haben zwei innovative Unter-

nehmen im Ort, die Affentranger Bau AG und die schaer-

holzbau ag, sowie einen aufgeschlossenen Gemeinderat,

der sich von den Vorteilen einer solaren Energieversorgung

überzeugen liess und das Projekt von Anfang an tatkräftig

unterstützt hat», erzählt Gemeinderat Andreas Meyer beim

Rundgang durch das Dorf. In Altbüron stimme die Chemie

zwischen Gewerbe und Politik.

Zwischen 2010 und 2012 baute Walter Schär, Inhaber

der Firma schaerholzbau ag altbüron, auf seinen Werk-

hallen und dem Bürogebäude eine 1700 Quadratmeter

grosse Photovoltaikanlage. Die Energiebilanz für Werkge-

bäude, Herstellung und Montage ist positiv.

Gemeinde zieht mit

Etwa zur gleichen Zeit setzte der Bauunternehmer Markus

Affentranger seinen Wunsch, bei der Energie autark und

beim Treibhausgas CO

2

-frei zu sein, in die Tat um. Er

installierte 2011 auf dem alten und dem neuen Werkhof

die grösste Photovoltaikanlage der Gemeinde. Auf den

insgesamt 5400 Quadratmetern generiert er fünfmal mehr

Energie, als er für den Betrieb der Gebäude benötigt.

Weitere zugemietete Industriedächer decken sogar den

Energiebedarf seines Baumaschinenparks. Der Strom wird

ins öffentliche Netz des Betreibers Centralschweizer Kraft-

werke (CKW) eingespiesen. Affentranger wurde im Jahr

2012 mit dem Schweizer Solarpreis in der Sparte «PlusE-

nergieBauten» ausgezeichnet.

Die Gemeinde liess sich vom Schwung der beiden

Firmen mitreissen, sprang auf den fahrenden Zug auf und

beschloss, ihre drei Schulhausdächer mit Photovoltaikmo-

dulen zu bestücken. Dafür genehmigten die Stimmbürger

Ende 2012 einstimmig einen Sonderkredit von 330000

Franken. Die Schulhäuser haben 128 Kilowatt Anlageleis-

tung und produzieren 126000 Kilowattstunden Strom pro

Jahr. Im laufenden Jahr wird für die Photovoltaikanlagen

auf den Schulhäusern ein Bruttoertrag von 18800 Franken

errechnet. Zieht man die Kosten ab – die Lastgangmessung

(Zähler der CKW), die Bankzinsen und die Versicherung —,

bleibt netto ein Erlös von 10122 Franken. Voraussichtlich

im Jahr 2015 ist die Anlage zur kostendeckenden Einspei-

severgütung (KEV) berechtigt; dann wird sich der Solar-

erlös verdreifachen.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Das leuchtende Vorbild der beiden Unternehmer und der

Gemeinde ermutigte verschiedene Altbüroner, ebenfalls

eine Solaranlage zu bauen. Zum Beispiel Bauer Markus

Forster. Er hat 2012 ein Scheunendach mit 539 Quadrat-

metern Photovoltaikpanels eingedeckt. Momentan zahlen

ihm die CKW 15 Rappen pro Kilowattstunde. Forster ist

seit drei Jahren bei der KEV angemeldet. Sobald er dort

aufgenommen wird, erhält er 31 Rappen. Damit wird sich

die Investition rechnen.

«Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von Photovol-

taikanlagen interessiert die Leute immer zuerst», erzählt

Altbürons Gemeinderat

Andreas Meyer ist Bau-

und Energievorsteher.

Er ist überzeugt von

der Zukunft der Solarenergie.

Play Video