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SCHWEIZER GEMEINDE 10 l 2015

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cherweise eine Palette von möglichen

Massnahmen durch Naturgefahrenspe­

zialisten ausgearbeitet und eine Empfeh­

lung zu der am besten geeigneten Mass­

nahme oder der am besten geeigneten

Massnahmenkombination abgegeben.

Bei der Erstellung der Gefahrenkarte, die

ja mittlerweile schweizweit in ihrer ers­

ten Phase abgeschlossen ist, beurteilen

und berücksichtigen die Fachleute auch

schon die bestehenden Massnahmen.

Mit der regelmässigen Überprüfung und

Nachführung der Gefahrenkarten wer­

den die bestehenden Massnahmen neu

evaluiert und, wo nötig, resultieren Ver­

besserungsvorschläge vorgebracht.

Betrachtet man die aktuelle Karte der

Grossereignisse (vgl. «SG» 9/2015),

fällt auf, dass viele betroffene Gemein-

den in dünn besiedelten Regionen

liegen.Wo stehen wir heute?

Kürzlich hat sich das Hochwasserereignis

2005 zum zehnten Mal gejährt. Noch im­

mer werden Erkenntnisse von damals

umgesetzt. Für derartige Grossereignisse

sind wir heute besser gerüstet, unter an­

deremweil vieles deutlich besser koordi­

niert angepackt wird und die Warnung

und Alarmierung verbessert wurde. In

der chaotischen Phase kurz nach dem Er­

eignis werden wir aber immer noch Un­

sicherheiten haben und improvisieren

müssen. Luft nach oben wird es also im­

mer geben.

Das ist ein heisses Eisen, wenn die

Solidarität im Lande auf Probe gestellt

wird.Was raten Sie?

Bei der Umsetzung von Massnahmen

werden grundsätzlich alle gleich be­

handelt, und es wird nach denselben

kantonalen Richtlinien über Schutzpro­

jekte entschieden. Periphere Gebiete

haben ein doppeltes Problem. Erstens

fliessen – abgesehen von touristisch in­

tensiv genutzten Gebieten oder entlang

wichtiger Verkehrswege und Energie­

transportinfrastrukturen – eher geringe

Werte in die reine Wirtschaftlichkeits­

rechnung ein. Zweitens sind diese Ge­

biete meist überdurchschnittlich häufig

von Naturgefahrenprozessen betroffen,

weil sie meist näher an den Prozessquel­

len liegen. Vorteilhaft dürfte jedoch die

bereits existente Risikokultur bei der dort

ansässigen Bevölkerung sein. Es ist be­

kannt, wann heikle Situationen vorherr­

schen und welches Verhalten angezeigt

ist. Das beugt Schäden teilweise bereits

vor. Zudem sind die peripheren Räume

zwar vielleicht dünn besiedelt, werden

aber meist von deutlich mehr Leuten ge­

nutzt, zum Beispiel als Erholungsraum.

Dies gilt es in der Wirtschaftlichkeits­

rechnung mit zu berücksichtigen, sodass

Gelder für Schutzmassnahmen bauli­

cher, aber auch organisatorischer Art

möglich bleiben. Auch machen Mass­

nahmen in diesen Gebieten häufig Sinn,

weil dadurch Folgeproblemen in Bal­

lungsräumen – bildlich gesprochen wei­

ter unten – vorgebeugt wird. Insofern

sind also Massnahmen in peripheren

Räumen sehr wichtig und realisierbar.

Interview: czd

Information:

www.econome.admin.ch www.tinyurl.com/nr876jf www.tinyurl.com/nuh2uu5 www.tinyurl.com/qelnql6

Christoph Graf

ist Geomorphologe

und wissenschaftlich-

technischer Mitarbei­

ter an der Eidg. For­

schungsanstalt für

Wald, Schnee und

Landschaft WSL in

Birmensdorf.

UMWELT

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