Table of Contents Table of Contents
Previous Page  24 / 52 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 24 / 52 Next Page
Page Background

SCHWEIZER GEMEINDE 10 l 2015

24

UMWELT

vatpersonen dazu bei. Insgesamt macht

die Gesamtsumme deutlich weniger als

ein Prozent des Bruttoinlandprodukts

aus.

Wann lohnen sich Schutzbauten nicht

mehr?

Die Grenzen habe ich schon angetönt. Es

sind primär wirtschaftliche Überlegun­

gen, welche die Investitionssumme be­

stimmen, respektive ein Kosten-Nutzen­

Faktor. Mit einem Instrument, welches

der Bund zur Verfügung stellt, wird dies

im Rahmen einer risikobasierten Mass­

nahmenplanung abgeklärt. Ökologische

und soziale Aspekte spielen ebenfalls

eine Rolle bei der Beurteilung. EconoMe

zeigt dabei auf, wie stark das Risiko – also

das Mass für dieWahrscheinlichkeit, dass

durch einen natürlich ausgelösten (Natur­

gefahren-)Prozess tatsächlich ein Scha­

den entsteht – gesenkt werden kann und

ob die entstehenden Kosten der Mass­

nahme in einem positiven Verhältnis zur

Risikoreduktion stehen. Das heisst, ob

mit der investierten Summe mehr poten­

zieller Schaden verhindert werden kann.

Damit wird vergleichend ermittelt, ob ein

Bauprojekt überhaupt infrage kommt und

finanziell unterstützt wird. DieseAuswer­

tung ist primär für die Subventionsbehör­

den zentral.

Wie lange schützt ein solches Bau-

werk, welche Lebensdauer kann man

veranschlagen?

Schutzbauten sind nie für die Ewigkeit

gebaut. Und sie verursachen auch wäh­

rend des Betriebs Kosten. Unterhalt,

Wiederinstandstellung oder zum Bei­

spiel bei einemGeschiebesammler Räu­

mungskosten sind bei der Projektierung

einzuplanen. Insbesondere bei einem

Verbauungsverbund kann zudem das

Versagen eines einzelnen Elements die

gesamte Verbauung schwächen oder

kollabieren lassen. Je nach Beanspru­

chung verkürzt oder verlängert sich die

Lebensdauer, die im Schnitt mehrere

Jahrzehnte beträgt. Veränderte Aus­

gangslagen, beispielsweise Folgen des

Klimawandels, können zudem eine An­

passung nötig machen. Also sowohl

einen Aus-, aber auch den Rückbau.

Gibt es Alternativen zu Schutzbauten,

die von Gemeinden ergriffen werden

können?

Alternativen oder besser Ergänzungen

zu Schutzbauten sollten im Rahmen

von Vorprojekten durch die beauftragten

Fachleute vorgeschlagen und gewichtet

werden. Insbesondere eine Kombination

von technisch-baulichen, planerischen

und organisatorischen Massnahmen

wird dabei vermehrt in Betracht gezo­

gen. Damit wird der Wechsel von der

Gefahrenabwehr zur Risikokultur geför­

dert. Mit Warn- und Alarmsystemen

etwa wird in gefährdeten Gebieten ver­

hindert, dass sich Personen in Gefahr

begeben oder befinden. Ich denke an die

Sperrung von Verkehrswegen. Sach­

schaden wird dabei in Kauf genommen.

Durch die optimale Ausbildung von

Feuerwehren wird die Intervention in

Krisensituationen verbessert. Durch mo­

bile Massnahmen, bekannt sind die

Hochwasserschutzmassnahmen mit den

wassergefüllten Schläuchen oder mit

traditionellen Sandsäcken, aber auch

Dammbalken, können rasch gefährdete

Objekte rasch geschützt werden, ohne

dass dort ein fixes Bauwerk steht. Dabei

stehen auch die Privatpersonen in der

Pflicht, ihr Grundstück, ihr Gebäude mög­

lichst wirksam vor Schäden zu schützen,

im Idealfall bereits bei der Planung ent­

sprechend zu bauen. Vorgängig geplan­

tes und geübtes Vorgehen ermöglicht

rasches und effizientes Handeln. Auf

Gemeindeebene werden seit wenigen

Jahren lokale Naturgefahrenberater aus­

gebildet. Sie sollen durch ihre lokalen

Kenntnisse und dauerhafte Analyse der

Situation möglichst frühzeitig auf Gefah­

rensituationen aufmerksam machen

und so den Behörden und Interventi­

onskräften ein rasches und zielgerichte­

tes Handeln ermöglichen. Grundsätzlich

sind die Gemeinden verantwortlich für

den Schutz der Bevölkerung, und sie

werden finanziell unterstützt durch den

Kanton und den Bund.

Wie findet eine Gemeindebehörde die

richtige Mischung der Massnahmen?

Die Gemeinde kann sich durch Naturge­

fahren-Fachleute entsprechend beraten

lassen. Lokale Kenntnisse sind häufig

sehr wertvoll und sollen durch die Fach­

spezialisten gehört, eingeordnet und

berücksichtigt werden. Wie erwähnt,

wird im Rahmen eines Vorprojekts übli­

Die Gefahrenkarte von Randa im Wallis. Links noch ohne Schutzbauten. Gezielte Massnahmen bringen eine Verbesserung.

Grafiken: WSL