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SCHWEIZER GEMEINDE 10 l 2015

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SOZIALES

Allerdings bleibt schon ein Restrisiko:

Irgendeinmal sickert irgendwo eine

Information hinaus, die Dritte dazu

bringt, auf Verletzung des Persönlich-

keitsrechts zu klagen.

Dass es einmal einen Rechtsstreit ge­

ben könnte, ist möglich. Aber vorausge­

setzt, die Archivverantwortlichen haben

sorgfältig gearbeitet, wäre ein solcher

Gerichtsfall als Präjudiz sogar span­

nend, um die Frage zu klären: Wie weit

sollen respektive können Verwaltungen

im Rahmen des Öffentlichkeitsgesetzes

von 2004 gehen, wenn ein Aktenein­

sichtsgesuch im Bereich der fürsorgeri­

schen Zwangsmassnahmen vorliegt?

Die Stadt Bern hat zweifellos eine

offene Einsichtspraxis. Aber in einer

Stadt ist sie auch weniger heikel als

in einer kleinen Landgemeinde.

Das stimmt. Dort kennt man sich, und

nicht selten leben die Nachkommen der

damals Verantwortlichen noch im Dorf.

Trotzdem muss man Anfragen differen­

ziert prüfen. Tut man das nicht, setzt man

sich demVorwurf aus, etwas vertuschen

zu wollen – auch wenn vielleicht gar

nichts vertuscht werden müsste. In den

Akten liest man ja auch von vielen

anständigen Vormündern, vernünftigen

Bauern und selbstlosen Pflegeltern. Und

warum soll man von vornherein davon

ausgehen, dass Einsichtsuchende Böses

im Schilde führen? Ich erlebe hier er­

wachsene Menschen, die darunter lei­

den, für sie Entscheidendes über ihre

Herkunft nicht zu wissen. Sie wollen für

sich klären, warum es so gekommen ist,

wie es gekommen ist. Ich kann diesen

Wunsch verstehen und unterstütze ihn,

soweit das möglich ist.

Interview: Fredi Lerch

Informationen:

www.tinyurl.com/poy883c

Einsichtsgesuche sind einzeln zu prüfen.

Korrigenda

Im Inhaltsverzeichnis der letzten

Ausgabe hat die Redaktion den

Artikel zur Wiedergutmachung

fürsorgerischer Zwangsmassnah­

men in einen missverständlichen

Zusammenhang gestellt. Die Betrof­

fenen des Hilfswerks Kinder der

Landstrasse aus Fahrenden-Fami­

lien haben bereits 1988 bis 1992

Entschädigungszahlungen vom

Bund erhalten.

czd

Die Exzellenz im Service public

Der Service public ist – trotz der Debatte um die Berichterstattung der SRG –

die Domäne der Gemeinden und Städte, der Kantone und des Bundes. Und

vieles, was dort abseits des Rampenlichts entwickelt wird, ist innovativ.

Im Frühling hat die «SG» gemeinsam

mit der Schweizerischen Gesellschaft

für Verwaltungswissenschaften den Prix

Excellence Publique ausgeschrieben.

Ziel des Preises ist, erfolgreich umge­

setzte, innovative Verwaltungsprojekte

zu erfassen und bekannt zu machen.

Denn die Projekte können als Modell

für andere Verwaltungen oder als Aus­

gangspunkt für weitere Modernisie­

rungsschritte dienen.

Eingaben aller Stufen

Insgesamt sind 38Wettbewerbsdossiers

eingereicht worden, 25 in deutscher, 13

in französischer Sprache, darunter ein

Dossier aus dem Tessin (Link am Ende

desTextes). Mitgemacht haben zehn Ge­

meinden und neun Kantonsverwaltun­

gen. Drei Projekte laufen bei Verwal­

tungseinheiten des Bundes. Eingereicht

werden konnten die Dossiers in ver­

schiedenen Kategorien: Bürgerorientie­

rung, Innovative Kommunikationsmo­

delle zwischen Verwaltung und Politik,

Innovatives Human Resource Manage­

ment, Intelligentes Sparen sowie Koope­

rationen und Fusionen.

Beurteilung durch Fachleute

Jedes Dossier wird von einem auf die

jeweilige Wettbewerbskategorie spezi­

alisierten Evaluationsteam der betreu­

enden Hochschulen sowie von Partnern

bewertet. Die Evaluationsteams stellen

ein Ranking pro Kategorie auf und

begründen ihren Entscheid. Ein unab­

hängiger wissenschaftlicher Ausschuss

überprüft schliesslich die Evaluationen

sowie das Ranking und entscheidet de­

finitiv über die Kategoriensieger. Aus

den Kategoriensiegern wird schliesslich

ein Masterpreisträger über den gesam­

tenWettbewerb gekürt. Der Masterpreis­

träger wird durch eine Jury mit Personen

aus Politik undVerwaltung,Wissenschaft

und Gesellschaft sowie einem Medien­

vertreter bestimmt. Die Preisverleihung

findet am 26. November in Bern statt.

Türöffner für weitere Anerkennung

Den Siegern des Wettbewerbs ist Auf­

merksamkeit gewiss. So sagte David

Oesch, Projektleiter

geo.admin.ch

, bei

swisstopo und Preisträger der Austra­

gung von 2010: «Das Team wurde stark

motiviert. Der Preis hat Tür und Tor für

weitere Auszeichnungen geöffnet. Un­

sere Leistung wurde mit über zehn nati­

onalen und internationalen Auszeich­

nungen gewürdigt.»

red

Informationen:

www.tinyurl.com/dossiers-excellence