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SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2017

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INTEGRATION UND RÜCKKEHRHILFE

Dank Bienen eine Perspektive

– hier oder in der Heimat

In-Limbo heisst ein neues Beschäftigungsprogramm für Asylsuchende: Hier

werden sie ab dem zweiten Tag gefördert und gefordert und sowohl auf eine

Arbeitsintegration in der Schweiz als auch auf eine allfällige Rückkehr vorbereitet.

Acht Männer mit dunkler Haut und

schwarzen Haaren sitzen im Freien um

zwei Tische herum. Die Sonne scheint,

aus dem Radio plärrt Musik, auf den

Tischen liegen Holzrahmen, Draht,

Hammer, Zangen. «Das werden Brut­

rahmen», erklärt einer der Männer, «für

die Bienen.» In die Rahmen kommen

Abstandnägel rein, dann müssen sie

mit Wabendraht bespannt werden. Es

ist eine Arbeit, die die Männer – Asylbe­

werber und Bewohner der Kollektiv­

unterkunft Büren an der Aare (BE) – für

ein gemeinnütziges Schutzprogramm

der dunklen Biene ausführen.

Stolz auf das neueWissen

Einer der Handwerker ist Denis T., 37,

aus Kamerun. «Ich bin ein Anfänger»,

erzählt er. Er hat erst vor Kurzem von der

Gartenprojektgruppe zu den Bienen ge­

wechselt. Und er erzählt begeistert von

all den Medizinalpflanzen, die man für

Tee verwenden könne, oder davon, wie

Bienen und Landwirtschaft eine Symbi­

ose bilden. Eigentlich sei er Mathemati­

ker, aber das heisse ja nicht, dass man

seinWissen nicht erweitern und auch in

anderen Gebieten dazulernen könne.

«Ich bin stolz darauf, was ich hier schon

alles gelernt habe.» Er sei dankbar für

dieses Bildungsangebot, denn «ohne

Arbeit kommen schnell Laster, Lange­

weile, Probleme».

Der Kameruner lebte zuvor in einer an­

deren Kollektivunterkunft. Dort habe es

nicht so viele Beschäftigungsangebote

gegeben. Man habe sich in der Reini­

gung oder an sportlichen Aktivitäten

beteiligen können. Das ist in Büren an

der Aare anders. Mit ihrem Konzept

«InLimbo» beschreiten die Betreiber

neue Wege, was die Bildung, die

Arbeitsintegration und die Rückkehr­

hilfe

betrifft. Kürzlich zeigte auch Bundes­

rätin Simonetta Sommaruga Interesse

daran und liess sich vor Ort informie­

ren. Im letzten Jahr als Pilotversuch in

Büren getestet, wird InLimbo 2017 nun

in allen sieben Kollektivunterkünften

von ABR (Asyl Biel und Region) einge­

führt.

Partnerschaften mit Gemeinden

Und so funktionierts: Bereits ab dem

zweiten Tag können die Asylsuchenden

ins Ausbildungs und Beschäftigungs­

programm einsteigen. DieTeilnahme ist

freiwillig, aber nach der Zusage verbind­

lich. In Büren machen etwa drei Viertel

der rund 90 Bewohner am dreistufigen

Programm mit. In der ersten Phase, die

rund drei Monate dauert, beteiligen sich

die Asylbewerber an der Reinigung der

Unterkunft, lernen Deutsch sowie grund­

legende Kompetenzen für den Schweizer

Alltag. In der zweiten Phase erhalten sie

eine praktische Grundbildung in einem

Bereich ihrer Wahl. Das kann in der Im­

kerei, der Gärtnerei, der Schreinerei, der

Näherei, der Velowerkstatt oder der Kü