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SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2017

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zahlreichen Dorfläden ist in den letzten

Jahren für die Fachstelle von Jürg

Brüesch zu einer wichtigen Partnerin ge-

worden. Nebst Volg gibt es zahlreiche

weitere Partner, die Flüchtlinge auf dem

Weg in die wirtschaftliche Unabhängig-

keit eine Chance geben. So hat zum Bei-

spiel in der Küche des Kantonsspitals

Chur ein weiterer Eritreer Arbeit gefun-

den. In einem Malergeschäft in Bad Ra-

gaz hat ein Somalier die dreijährige Ma-

lerlehre absolviert – heute arbeitet er im

gleichen Geschäft als Maler mit Eidge-

nössischem Fähigkeitszeugnis EFZ. Eine

Tibeterin hat sich in einem Hotel in

Arosa zur Restaurationsfachfrau ausbil-

den lassen; und ein Eritreer will imAlter

von 46 Jahren in Landquart noch eine

Lehre als Hauswirtschaftspraktiker ma-

chen. All diese Personen werden so ihre

Chancen auf dem Schweizer Arbeits-

markt markant verbessern.

«Die Fachstelle Integration arbeitet eng

mit den Arbeitgebern zusammen», er-

zählt Jürg Brüesch. Sie nimmt den KMUs

das Bewilligungsverfahren ab, bezahlt

den Absolventen eines ersten Prakti-

kums pro Monat eine Motivationspau-

schale von 300 Franken und steht mit

Arbeitgebern und Arbeitnehmern in

ständigem Kontakt. «Wenn ein Flücht-

ling sagt, er möchte als Gipser, als Maler

oder in der Gastronomie arbeiten, dann

telefonieren wir herum, bis wir einen

Arbeitgeber gefunden haben, der dieser

Person eine Chance gibt», erzählt

Brüesch aus seinem Alltag. Im Wissen,

dass eine Ausbildung jedem Flüchtling

nicht nur bessere Chancen auf dem Ar-

beitsmarkt eröffnet, sondern auch der

beste Beitrag zur Integration in einer für

ihn fremdenWelt ist.

Am Buffet im «Rheinfels»

Eine Chance bekommen hat auch Yor-

danos Kibrab. Die 27-jährige Frau aus

Eritrea, Mutter einer acht Jahre alten

Tochter, lebt seit 2012 in der Schweiz. Im

Restaurant Rheinfels in Chur hat sie eine

Praktikumsstelle am Buffet und im Ser-

vice gefunden. Sie spricht gut Deutsch

auf Niveau A2 und hat den Ehrgeiz, hier

noch besser zu werden. «Die Arbeit im

lebhaften Restaurant gefällt mir gut»,

sagt die Afrikanerin. «Ich stehe mit Gäs-

ten ständig in Kontakt und kann mit die-

sen meine Deutschkenntnisse anwen-

den.» Der «Rheinfels»-Chef, Thomas

Rohrer, ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Sie

lerne schnell und wisse, wo es Arbeiten

zu erledigen gebe. Dabei unterstützt, be-

stärkt und motiviert Rohrer sie auf ihrem

Weg in die berufliche Unabhängigkeit.

Im gleichen Restaurant arbeitet auch

Sharpatsang Chiugme Rinzin, ein 31-jäh-

riger Tibeter, der vor fünf Jahren in die

Schweiz geflüchtet ist. In der Churer Piz-

zeria ist er in der Küche als Mann für

(fast) alles tätig. Er wäscht ab, rüstet Ge-

müse und Salat, feuert den Pizzaofen

ein, bereitet Desserts zu und ist immer

dort anzutreffen, wo gerade Not am

Mann ist. Diese Arbeit hat der Tibeter

nach einem Jahr Praktikum so gut ge-

macht, dass er ab Mai im «Rheinfels»

fest als Küchengehilfe angestellt wird.

«Ich kann Sharpa in der Küche gut ge-

brauchen», sagt Rohrer. «Er arbeitet spe-

ditiv und lässt sich auch bei viel Stress

nicht unter Druck setzen.» Dass Sharpa

nach einem Jahr als Praktikant im Teil-

lohn trotz rudimentären Deutschkennt-

nissen eine feste Anstellung mit bran-

chenüblichem Lohn erhält, spricht für

seine Arbeit in der «Rheinfels»-Küche.

Das Teillohnmodell im Integrationspro-

zess ist eine «Bündner Spezialität» und

schliesst die Lücke beim Übergang vom

Praktikum zu einer Festanstellung oder

einer Ausbildung und dauert längstens

zwei Jahre. Das Modell ist alsTüröffner

zum Arbeitsmarkt für Menschen wie

Sharpa gedacht, deren Sprachkennt-

nisse oder soziokulturellen Differenzen

amAnfang für eine Anstellung nach Ge-

samt- oder Normalarbeitsvertrag nicht

genügen.

Wichtiger Beitrag zur Integration

So wie Andrea Sutter, der Bereichsleiter

Verkauf bei Volg, hat auchThomas Roh-

rer, der «Rheinfels»-Wirt in Chur, mit den

INTEGRATION: SO MACHT ES GRAUBÜNDEN

Yordanos Kibrab lernt am besten Deutsch, wenn sie mit den Kunden ins Gespräch kommt. Der jungen Frau aus Eritrea gefällt die Arbeit

in der Churer Pizzeria Rheinfels.

Bilder: Daniel Ammann