Previous Page  50 / 96 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 50 / 96 Next Page
Page Background

50

Ein Mann mit Zukunft

«Toll, wie der junge Mann das seit sei-

nem Lehrantritt im letzten August

macht», sagt auch Andrea Sutter, Be-

reichsleiter Verkauf bei der Volg Detail-

handels AG. Der junge Eritreer habe

schnell begriffen, worauf es in einem

solchen Dorfladen ankomme: Er ist

freundlich und offen imUmgang mit den

Kunden, pünktlich und zuverlässig und

sieht dieArbeit, ohne dass man ihn dazu

auffordern muss. «Wenn Rani so weiter-

macht, wird er wohl mit Erfolg auch noch

die zweijährige Zusatzlehre zum Detail-

handelsfachmann absolvieren.» Dann

stünden ihm alle Türen offen. «Der De-

tailhandel bietet sehr gute Aufstiegs-

möglichkeiten», sagt Sutter. Gut mög-

lich, dass Ammar Rani in ein paar Jahren

irgendwo in der Ostschweiz oder sonst

wo in der Schweiz einen Volg-Laden lei-

ten wird.

Musterkanton Graubünden

Graubünden gehört heute zu jenen Kan-

tonen, die überdurchschnittlich viele

Flüchtlinge beruflich integrieren. Liegt

gesamtschweizerisch die Erwerbsquote

bei den vorläufig aufgenommenen

Flüchtlingen bei 30 Prozent, sind es in

Graubünden 40 Prozent. Unterscheidet

man nach der Aufenthaltsdauer der

Flüchtlinge, haben die Bündner die Nase

vorn.

Was macht Graubünden besser als die

anderen Kantone? Ein Faktor für die po-

sitiven Zahlen ist der Bündner Arbeits-

markt, der in der Tourismus- und Gast-

robranche viele niederschwellige Stellen

anbietet, die für Flüchtlinge gute Ein-

stiegschancen bieten. Zum Zweiten ver-

fügt der Bergkanton über ein liberales

Arbeitsgesetz, das den arbeitssuchen-

den Flüchtlingen nach dem vom Bund

auferlegten dreimonatigen Arbeitsver-

bot keine Steine in denWeg legt.

Nicht weniger wichtig ist aber auch der

Integrationsprozess, der bei allen aner-

kannten Flüchtlingen oder vorläufig auf-

genommen Personen kurz nach dem

Entscheid des Staatssekretariats für

Migration (SEM) eingeleitet wird. Läuft

dieser Prozess in vielen Kantonen immer

noch über die kommunalen Sozialämter,

ist es in Graubünden die Fachstelle Inte-

gration, die mit einer breiten Palette von

Sprachkursen, einer individualisierten

Förderung und Coaching-Massnahmen

im Rahmen der Berufsbildung den

Flüchtlingen zur Seite steht. «Die Fach-

stelle Integration steuert den gesamten

Integrationsprozess», sagt Jobcoach

Brüesch, der zusammen mit zwei Kolle-

gen im ganzen Kanton für die berufliche

Integration von anerkannten Flüchtlin-

gen oder vorläufig aufgenommenen

Personen zuständig ist.

Die Suche nach Praktikumsplätzen

Es sind diese Jobcoachs, die nach geeig-

neten Praktikumsplätzen für ihre Schütz-

linge Ausschau halten. Kein leichtes Un-

terfangen. Die Volg Detailhandels AG

Region Ost mit ihren im Bergkanton

«Am Anfang musste ich gut zuhören,

wenn die Taminser mich in ihrem breiten Bündner

Dialekt angesprochen haben.»

In einem Dorfladen gibt es im-

mer genug Arbeit: Ammar Rani

füllt die Gestelle auf, steht an

der Ladenkasse und weiss ge-

genüber

seinem Jobcoach Jürg

Brüesch (Mitte im Bild unten

rechts) und demVertreter von

Volg

kompetent Auskunft zu ge-

ben.

Bilder: Daniel Ammann

INTEGRATION: SO MACHT ES GRAUBÜNDEN