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INTEGRATION: SO MACHT ES GRAUBÜNDEN

«Arbeit ist die beste

Integration»

In vielen Kantonen läuft der Integrationsprozess über die

kommunalen Sozialämter. In Graubünden steuert eine zentrale

Fachstelle den gesamten Prozess und hat unter anderem mit

Jobcoaches Erfolg bei der Integration in den Arbeitsmarkt.

In einem Dorfladen wird in erster Linie

eingekauft. Immer häufiger werden hier

auch Postgeschäfte erledigt, und die

Menschen nutzen denTreffpunkt für die

Pflege von sozialen Kontakten. Dass an

einem solchen Ort Flüchtlinge sich in ei-

ner fremden Welt zu integrieren begin-

nen, ist ein neues Phänomen.

Natürlich musste Ammar Rani auf der

Landkarte zuerst einmal nachschauen,

wo Tamins liegt. Die 1200-Seelen-Ge-

meinde zwischen Chur und Flims war

dem 24-jährigen Eritreer ein völlig un-

bekannter Flecken irgendwo in den

Bündner Bergen. Ein Jahr später gehört

der gross gewachsene dunkelhäutige

Mann zum Dorfbild. Rani, wie sie ihn

alle nennen, mache seine Arbeit zu ihrer

vollen Zufriedenheit, sagt Petra Häusel-

mann, die Leiterin im Taminser Volg-

Laden. Er steht an der Kasse, füllt

Gestelle auf, bedient die Postkunden,

druckt Plakate aus und hilft überall dort,

wo sein Einsatz gefragt ist. Der junge

Mann aus Ostafrika ist vor sechs Jahren

der prekären Situation seiner Heimat

entflohen und über Äthiopien und den

Sudan in die Schweiz geflohen. Heute

lebt er hier im Status eines vorläufig

Aufgenommenen – mit sehr grossen

Chancen, eine ständige Aufenthaltsbe-

willigung zu erhalten.

Sprachkenntnisse sind das A und O

«Mit dieser Bleibeperspektive ist es

wichtig und macht auch Sinn, diesen

jungen Mann möglichst schnell in den

Berufsprozess zu integrieren», sagt Jürg

Brüesch, Jobcoach bei der Fachstelle In-

tegration im Bündner Amt für Migration

und Zivilrecht. Und so begann Rani im

August 2016 im Volg von Tamins seine

zweijährige Lehre als Detailhandelsas-

sistent. EinenTag proWoche besucht er

die Berufsschule in Chur, während vier

Tagen arbeitet er inTamins.

Bis es allerdings so weit war, musste der

Eritreer im Kanton Graubünden einen

Integrationsprozess durchlaufen, der mit

dem Erwerb der Sprache und Praxis-

Assessment begann und später mit ver-

schiedenen Kursen zur Verbesserung

der beruflichen Qualifikation fortgesetzt

wurde. «Gute Kenntnisse der deutschen

Sprache sind dasA und O einer erfolgrei-

chen Integration», unterstreicht Brüesch.

Rani beweist täglich, dass er die deutsche

Sprache schon sehr gut beherrscht. «Am

Anfangmusste ich gut zuhören, wenn die

Taminser mich in ihrem breiten Bündner

Dialekt angesprochen haben», erzählt der

Lehrling im Volg-Laden. Doch Rani war

clever und ehrgeizig genug, stets die Oh-

ren zu spitzen und sich dem ihm so frem-

den Idiom anzunähern.

Ammar Rani aus Eritrea hat imVolg inTamins Arbeit gefunden und

gilt dort schon fast als Einheimischer.

Bild: Daniel Ammann