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SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2017

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SCHOTTERGÄRTEN SCHADEN DER BIODIVERSITÄT

hingegen, dass naturnahe Grünflächen­

gestaltungen zwar einen differenzierten,

aber durchaus geringeren Pflegeauf­

wand und oft auch eine kleinere finanzi­

elle Belastung für die Besitzer bedeuten

können.

Steuerungsinstrumente

Verschiedene Steuerungsinstrumente

haben potenziellen Einfluss auf die

Grünflächengestaltung. Neben gesetz­

lichen Bestimmungen gibt es zahlreiche

Strategien und Konzepte, um naturnahe

Grünflächen zu fördern. Im Raum­

konzept Schweiz (2012) fordern Bund,

Kantone, Städte und Gemeinden, dass

naturnahe Grünflächen in den Sied­

lungsgebieten gefördert werden. Auch

die Strategie Biodiversität Schweiz

(2012) spricht sich gegen die Versiege­

lung der Böden aus: So sollen unversie­

gelte Räume mit Grünund Freiflächen­

anteilen verbindlich gesichert werden.

Ein kommunaler Richtplan oder ein

Landschaftsentwicklungskonzept (LEK)

kann Ziele zur Qualität der Grünflächen

enthalten. Besonders vielversprechend

sind die kommunalen Bau und Nut­

zungsordnungen, in denen Vorgaben

zur Grünflächengestaltung festgehal

ten werden können. Solche sind zum

Beispiel zonenspezifische Grünflächen­

ziffern oder die Pflicht zur Minimierung

der Bodenversiegelung. Weiter kön

nen Grünflächen mit hoher ökologi­

scher Qualität sowie die Verwendung

von einheimischen Pflanzen gefordert

werden.

Gemeinden als Vorbilder und Akteure

Gemeinden können nicht nur die Rich­

tung der Grünraumentwicklung vorge­

ben, sondern auch aktiv einen Beitrag

zur Förderung der Biodiversität im Sied­

lungsraum leisten. Verschiedene be­

fragte Experten und Literaturquellen be­

stätigen, dass die Vorbildfunktion von

naturnah gestalteten öffentlichen Flä­

chen ein zentrales Element zur Sensibi­

lisierung der Bevölkerung darstellt. Be­

sonders wichtig sei es, gut über die

gestalterischen Massnahmen zu infor­

mieren. So werde die Akzeptanz in der

Bevölkerung erhöht.

Neben der Vorbildfunktion haben die

Gemeinden aber auch eine zentrale Rolle

bei der Bewilligung von Baugesuchen:

Hier muss sichergestellt werden, dass

Vorgaben zur Grünflächengestaltung,

die in der Bau und Nutzungsordnung

festgeschrieben sind, im Bewilligungs­

verfahren auch aktiv eingefordert wer­

den.

Auch auf Firmenarealen werden gross­

flächig Schottergärten angelegt. Sie ver­

siegeln den Boden, generieren mehr

Abwasser und Hitze und führen zu ästhe­

tisch und ökologisch wertlosen «Grün­

flächen».

Bilder: SL