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SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2017

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SCHOTTERGÄRTEN SCHADEN DER BIODIVERSITÄT

Besser farbige Biodiversität

als graue Steinwüsten

Schottergärten verbreiten sich rasant, insbesondere in Agglomerations-

gemeinden und im ländlichen Siedlungsgebiet. Eine Studie der Stiftung

Landschaftsschutz Schweiz (SL) zeigt die negativen Folgen und Alternativen auf.

In der aktuellen Studie «Schottergärten

und Landschaft: Dynamik – Akteure –

Instrumente»* thematisiert die Stiftung

Landschaftsschutz Schweiz (SL) eine

Entwicklung, die auf vielen Grünflächen

zu beobachten ist: Private und öffent­

liche Umgebungsflächen weichen im­

mer mehr öden Schottergärten. Schot­

tergärten sind Umgebungsgestaltungen,

bei denen Steine (insbesondere Schot­

tersteine) unterschiedlicher Grösse

einen wesentlichen Anteil der Boden­

bedeckung ausmachen und die Be­

pflanzung spärlich bis gar nicht vorhan­

den ist. Oftmals wird unter solchen

Flächen ein Vlies oder eine Plastikfolie

verlegt, sodass möglichst wenig Un­

kraut wächst.

Schottergärten sind aus verschiedenen

Gründen keine wünschenswerte Gestal­

tung des Grünraums in der Siedlungs­

landschaft. Neben den ökologischen

Defiziten wie Bodenversiegelung, Hitze­

generierung und Reduktion der Lebens­

räume fürTiere und Pflanzen sind solche

Flächen auch ästhetisch wenig anspre­

chend. Sie verhindern die positiven Aus­

wirkungen der Grünräume auf wichtige

Aspekte der Lebensqualität wie psychi­

sche und physische Erholung, Identifika­

tion und Gesundheit.

Die Studie der SL zeigt, welche Beweg­

gründe für den Bau von Schottergärten

angeführt werden und welche negativen

Auswirkungen solche Umgebungsge­

staltungen haben. Sie bezeichnet die

beteiligten Akteure und deren Hand­

lungsmöglichkeiten und zeigt das Poten­

zial von raumplanerischen Instrumenten

zur Verhinderung von Schottergärten

auf. Zudem werden verschiedene Best­

PracticeBeispiele zur Grünflächengestal­

tung und Biodiversitätsförderung vorge­

stellt.

Warum Schottergärten?

Die in der Studie befragten Experten

sind sich einig, dass bei der Entschei­

dung für einen Schottergarten vor allem

die verfügbare Zeit sowie finanzielle

Aspekte eine wichtige Rolle spielen. So

werden Schottergärten als pflegeleichte

und daher kostengünstige Variante der

Grünflächengestaltung gesehen. Auch

der Wunsch nach einer sauberen und

repräsentativen Umgebung oder ein

Nachahmereffekt unter Nachbarn, quasi

eine nachbarschaftliche Ansteckung,

können Beweggründe zur Anlage von

Schottergärten sein. Bei öffentlichen

Grünflächen wird als Begründung oft auf

die knappen finanziellen Mittel der Ge­

meinden verwiesen. Die Studie zeigt

In Vorgärten sind vermehrt Schottergärten anzutreffen, besonders in Agglomerationsgemeinden und im ländlichen Siedlungsgebiet.

Bild: SL