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SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2017

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BIODIVERSITÄT: WALDSTRUKTUR

FlächendeckendeWald-

analysen dank Fernerkundung

Wie sind Bäume und Sträucher verteilt? Wie viel Licht erreicht den Boden durch

das Baumkronendach hindurch? Erhebungen zur Waldstruktur sind im Feld

schwierig durchzuführen. Mehr Aufschluss geben die Daten aus der Luft.

Wälder faszinieren Florian Zellweger seit

seiner Kindheit. Während seines Geo-

grafiestudiums an der Universität Zürich

setzte er sich vertieft mit der Vielfalt un-

serer Wälder auseinander und lernte

gleichzeitig, mit geografischen Informa-

tionssystemen und Fernerkundungsda-

ten umzugehen – eine Kombination, die

er in seiner Doktorarbeit an der For-

schungsanstalt für Wald, Schnee und

Landschaft (WSL) optimal einsetzen

konnte.

Nicht jeder Wald ist gleich vielfältig.

Verschiedene Faktoren beeinflussen

die Biodiversität imWald, so etwa das

Klima, die Bodeneigenschaften oder

die Struktur des Waldes. Je vielfältiger

die Struktur, umso mehr unterschiedli-

che Kleinlebensräume stehen Tieren

und Pflanzen zur Verfügung. Im Feld

lassen sich Daten zur Waldstruktur,

etwa wie die Bäume und Sträucher ver-

teilt sind oder wie viel Licht den Boden

durch das Baumkronendach hindurch

erreicht, nur mit grossem Aufwand er-

heben. Einfacher geht es heute aus der

Luft: In regelmässigen Zeitabständen

werden grosse Teile der Schweiz vom

Flugzeug aus mittels Laserscanning er-

fasst. So sind riesige LiDAR-Datensätze

(Light Detection And Ranging) zur Ober-

flächenstruktur der Landschaft vorhan-

den. Das Potenzial der Daten liegt zum

Teil brach: «Die 3D-Daten können auf

unterschiedlichste Weise genutzt und

mit anderen Daten verknüpft werden.

Gerade im Bereich Biodiversität ge-

schieht dies aber noch viel zu selten»,

sagt Zellweger.

Auf die Struktur kommt es an

Zellweger wollte in seiner Arbeit heraus-

finden, ob sich mit LiDAR-Datensätzen

die Biodiversität im Wald voraussagen

lässt. «Daten zurWaldstruktur sind inso-

fern wichtig, als sich die Struktur eines

Waldes durch forstliche Eingriffe beein-

flussen lässt», erklärt Zellweger. «Wenn

wir also wissen, welche Strukturen die

Biodiversität fördern, können wir ent-

sprechende Empfehlungen für dieWald-

bewirtschaftung abgeben.» Um dies

herauszufinden, verband er Daten zur

Vielfalt und zu den Lebensräumen ein-

zelner Artengruppen mit LiDAR-Daten.

Seine Resultate sind erfreulich: Er konnte

unter anderem zeigen, dass sich dasVor-

kommen vieler Schmetterlinge gut mit

Waldstrukturdaten voraussagen lässt. Je

vielfältiger die Strauchschicht in einem

Wald, beispielsweise entlang gut struk-

turierterWaldränder, umso höher ist die

Schmetterlingsvielfalt. In den Sträuchern

finden viele Schmetterlinge und ihre

Raupen Nahrung und Schutz.

Am Beispiel der Fledermäuse konnte

Zellweger ausserdem zeigen, dass die

Waldstruktur auch bestimmt, wie die

verschiedenen Arten ihren Lebensraum

nutzen. So waren etwa Fledermausarten,

die oft imWaldesinnern anzutreffen sind,

weniger aktiv in Waldbeständen mit

Eine strukturreiche Strauchschicht fördert

die Schmetterlingsvielfalt. Im Bild ein

Kleiner Eisvogel.

Bild: Beat Wermelinger, WSL