Previous Page  28 / 96 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 28 / 96 Next Page
Page Background

SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2017

28

junges Wild aus dem Gehege zu

schiessen, das von seinen Artgenossen

im Gehege verstossen wurde und sonst

nirgendwo platziert werden kann. «In

der freienWildbahn wären unsere Tiere

chancenlos, deshalb bleibt uns meist

nichts anderes übrig», begründet Kurt

Werner Häni. Nur etwa zehn der Junghir-

sche könnten fremdplatziert werden.

Finanzielle Unterstützung durch die

Stadt und die Burgergemeinde

Ohne das Engagement des Verschöne-

rungsvereins Langenthal wäre der Tier-

park in dieser Form nicht zu betreiben,

oder er müsste von der Gemeinde über-

nommen werden. Die Stadt Langenthal

wie auch die Burgergemeinde Langen-

thal unterstützen den Verein mit je rund

10000 Franken pro Jahr. Die Burgerge-

meinde verzichtet zudem als Landeigen-

tümerin auf den Baurechtszins. Finanzi-

elle Mittel erhält der Verein zudem durch

Legate, Spenden und in Form von Gön-

nerbeiträgen der insgesamt 720 Mitglie-

der.Weitere Erträge fliessen aus Tierpa-

tenschaften sowie durch den Verkauf von

Futtersäcken zum Preis von zwei Franken

pro Sack in die Vereinskasse. Pro Jahr

kaufen die Besucher laut Häni insgesamt

gegen 15 000 Futtersäcke. DieAusgaben

für Bauten, das Futter wie auch für den

Tierarzt, der für den Tierpark zu einem

Spezialpreis arbeitet, werden vollum-

fänglich vom Verein finanziert.

Sitzbänke undWanderwege

Neben dem Tierpark unterhält der Ver-

schönerungsverein rund 200 Sitzbänke

im Gemeindebann, pflegt die Fuss- und

Wanderwege im Tierparkbereich und

führte früher einen Blumen- und Pflan-

zenschmuckwettbewerb durch. «Die

Stadt Langenthal schätzt unseren Ein-

satz für den Tierpark und bietet uns die

nötige Unterstützung. Auch in der Be-

völkerung sind wir bestens verankert»,

freut sich der Vereinspräsident.

Ansprechpartner für die Gemeinden

Der Einsatz der Natur- und Verschöne-

rungsvereine ist für die Natur ein «enorm

wichtiger Beitrag und eine unbezahlbare

Ressource für die Gemeinden», betont

Kim Rüegg, Projektleiter Biodiversität

von «Pusch». Die gemeinnützige und

unabhängige Organisation unterstützt

Gemeinden, Schulen und Unternehmen

mit praxisnahemWissen und konkreten

Handlungshilfen bei der Lösung von

Umweltaufgaben. Pusch arbeitet eng mit

demSchweizerischen Gemeindeverband

zusammen und hat einen Leitfaden zum

Thema Biodiversität erarbeitet (siehe

Beilage). «Gerade Natur- undVerschöne-

rungsvereine tragen enorm viel zum

Erhalt der Biodiversität in unseren Ge-

meinden bei. Oftmals sind sie für die

Gemeinden wichtige Ansprechpartner,

weil sie über das nötige Fachwissen über

den praktischen Naturschutz verfügen»,

sagt Kim Rüegg. Ein weiteres Potenzial

solcher Vereine sieht der Projektleiter

Biodiversität bei Pusch bei der Aufklä-

rungs- und Öffentlichkeitsarbeit, indem

zum Beispiel Exkursionen durchgeführt

werden und die Bevölkerung für den Na-

turschutz sensibilisiert wird.

Naturschutz auch in Städten

«Die enge Zusammenarbeit mit der Ge-

meinde ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für

die Projekte der Natur- und Verschöne-

rungsvereine», sagt Kim Rüegg. Auf der

Suche nach neuen Einsatzgebieten und

Projekten lohne sich eine gute Koordina-

tion mit der Gemeinde. Fehlt das nötige

Know-how, können kantonale Natur-

schutzorganisationen wie Pro Natura, der

WWF oder Birdlife zugezogen werden.

Auch in ausgesprochen städtischen Ge-

meinden bieten sich durchaus Einsatz-

möglichkeiten für den Naturschutz – bei-

spielsweise durch die Schaffung von

Biotopen in Stadtpärken oder Indus-

triebrachen oder die Bekämpfung von

Neophyten. «Solche Einsätze, ob in der

Stadt oder auf dem Land, stärken die

Identifikation der Menschen mit ihrer

Gemeinde und mit der Natur.»

Stein: Ein Biotop- und Heckenlehrpfad

zum 100-Jahr-Jubiläum

In der Gemeinde Stein im aargauischen

Fricktal engagiert sich seit über hundert

Jahren der Naturschutz- und Verschö-

nerungsverein Stein (NVS) für den Na-

turschutz wie auch für die Verschöne-

rung des Ortsbilds. Ursprünglich als

Verkehrs- und Verschönerungsverein

für die Verkehrsoptimierung und Ver-

schönerung gegründet, kam 1927 die

Ausrichtung auf den Vogelschutz und

später der Aufbau sowie der Unterhalt

von Biotopen hinzu. Bereits seit 1977

betreut der Verein den Vita-Parcours

entlang eines Waldweges. Durch neue

Vernetzungshecken, Vogelnistkästen,

Eidechsenburgen oder auch Hoch-

stammbäume gewannen die Natur-

schutzanlagen in den letzten Jahren

immer mehr an Gewicht, sodass sich

der Verein 2005 den heutigen Namen

gab. Zum 100-Jahr-Jubiläum des NVS

wurde ein dorfweit vernetzender Bio-

top- und Heckenlehrpfad mit hundert

Erklärungstafeln an zehn Ökostandor-

ten aufgebaut. Mittlerweile zum 16. Mal

montieren und demontieren die NVS-

BIODIVERSITÄT: FREIWILLIGE HELFEN MIT