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SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2017

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sind die Holzverpackungen, die Paletten,

Kisten, Verschläge, denen die Aufmerk-

samkeit von Mensch und Hund gilt.

Emsig schreiten die Hunde das Lager ab,

wedelnd und voller Energie, die Schnauze

dicht an Holz und Boden, den Blick immer

wieder zu Hans Döbeli, der eine zusätzli-

che Runde um diesen Stapel fordert, als

Nächstes dort rüberschickt, hier einWin-

ken, dort ein Fingerzeig, ganz ruhig, per-

fekt orchestriert. Und Misses Bean und

Xina folgen, folgen aufs Exakteste, kein

Bellen, kein Abschweifen; besser abge-

richteteTiere sind kaum vorstellbar. Nur

gelegentlich verkündet Döbeli dann doch

ein motivierendes «Wo isch s’Chäferli?

Suech s’Chäferli!»

Sollte Misses Bean die Fährte eines ALB

aufnehmen, würde sie den Fund schar-

rend und wild tänzelnd anzeigen. Dann

würde Xina zur Bestätigung herbeigezo-

gen – und umgekehrt. Hans Döbeli

würde die Stelle auf Ausfluglöcher und

Bohrmehl (siehe Kasten) kontrollieren.

Fände er, was er inständig hofft, niemals

zu finden, verständigte er den EPSD so-

wie die kantonalen Stellen. Die Eidge-

nössische Forschungsanstalt für Wald,

Schnee und Landschaft, kurz WSL, träte

auf den Plan, um den Verdacht zu unter-

suchen. Bestätigte sich dieser, verfügte

schliesslich das EPSD die Vernichtung

des Verpackungsholzes.

Auf die Gemeinden angewiesen

Im Herbst 2015 war es letztmals so weit,

da wurde ein Freilandbefall entdeckt.

Nicht Döbeli hatte allerdings den Käfer

entdeckt, sondern der aufmerksame Lehr-

ling eines Gartenbauunternehmens in

einem Wohnquartier in Berikon, den

ersten Befall im Aargau. Hans Döbeli,

umgehend zu Hilfe gerufen, machte

denWirtsbaum schnell ausfindig – und

las Larven und Käfer mit blossen Hän-

den vom Geäst. «Dieser Befall exis-

tierte über sechs Jahre, schätzen wir –

praktisch vor unseren Nasen und doch

unbehelligt», sagt Döbeli und ergänzt:

«Das ist meine grösste Angst, denn von

hier fehlt nicht mehr viel zu einer ge-

fährlichen Vermehrung.» In einem Ra-

dius von 100 Metern wurde zuerst jeder

Wirtsbaum und -strauch mittels GPS

erfasst, dann gefällt und gehäckselt,

schliesslich verbrannt. Wichtig in sol-

chen Situationen sind kooperative Gar-

teneigentümer, denn es sind ihre Pflan-

zen, diegerodetwerden. InDeutschland,

wo Döbeli regelmässig aushilft, wenn

Not am Käfer ist, ist das Verständnis

bisweilen geringer, werdenTaufbäume

auch schon mal fuchtelnd verteidigt.

Doch gerade Deutschland hat arg zu

kämpfen mit dem Schädling, Bayern ist

betroffen, Nordrhein-Westfalen; beson-

ders gefährdet: Hafenareale wie im

Raum Basel, wo auf deutscher Seite

2015 ALB-Spuren entdeckt worden

sind.

«Wir sind angewiesen auf die Unterstüt-

zung der Bevölkerung, vor allem aber

auch aus den Gemeinden», so Beyeler.

Wichtig sei, dass sie einen Verdacht auf

Befall untersuchten und umgehend dem

Kantonalen Pflanzenschutzdienst melde-

ten. «Dringend gesucht» nennt sich das

A4-Plakat des EPSD, das Hilfestellung

bei der Sensibilisierung der Bevölkerung

gibt. Schliesslich sind es die Gemeinden,

die bei einem Befall besonders gefordert

sind; «ihnen fällt – neben den Kantonen

– eine zentrale Rolle zu.» Entsprechend

lobend äussert sich Stefan Beyeler über

die Zusammenarbeit mit Kantonen und

Kommunen.

400 Bäume inWinterthur gefällt

Zurück nach Berikon. Wie war der Käfer

hierher gelangt? Seine Wege zu verste-

hen, bedeutet, sie vorauszusehen und

Gefahrenpotenziale auszumerzen. In un-

mittelbarer Nähe zur Population in Beri-

kon befand sich während des Baus einer

nahen Strasse ein Materiallager: Steine

auf Holzpaletten, die wahrscheinlich aus

Ostasien stammten. InWinterthur, beim

bisher grössten Befall im Land, lief es

identisch: Strassenbau, Steine aus China,

käferkontaminiertes Holz. Auf die Entde-

ckung in einem Waldstück 2012 folgten

die Fällung von über 400 Bäumen und

ein vierjähriges Monitoring in einem

Umkreis von zwei Kilometern rund um

die Fundstelle. Im vergangenen Dezem-

ber wurde Winterthur aus der Monito-

ringpflicht entlassen und erhielt vom

EPSD viel Lob für die konzentrierte – und

erfolgreiche – Bekämpfung des Käfers.

Herr Beyeler, ist der Kampf gegen den

ALB überhaupt zu gewinnen?

Beyeler:

Unsere Chancen sind auf jeden

Fall intakt. Denn der ALB ist ein fauler

BIODIVERSITÄT: KAMPF GEGEN DEN LAUBHOLZBOCKKÄFER

Dringend gesucht!

Das Bundesamt für Umwelt lanciert

einen Aufruf zur Früherkennung des

Asiatischen Laubholzbockkäfers, der

seit seinem ersten Auftreten 2011 im

freiburgischen Brünisried in der

Schweiz bereits Millionenschäden an-

gerichtet hat. Zusätzlich zu den eige-

nen Kontrollmassnahmen setzt der

Bund auf die Gemeinden, um den

Aufruf an die Gemeindearbeiter und

die Bevölkerung weiterzuleiten. In der

wärmeren Jahreszeit wird der Käfer

aktiv und kann gesichtet werden.

Kreisrunde Löcher von mindestens

einem Zentimeter Durchmesser in

den Stämmen und Ästen von Laub-

bäumen deuten auf einen Befall. Das

Merkblatt liegt dieser Ausgabe bei.