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SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2017

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BIODIVERSITÄT: DIGITALE HILFE GEGEN NEOPHYTEN

Digitale Umweltlösung

«INFINITUDE», die ETHZürichSpinoff­

Firma, packt das Problem bei derWurzel.

Sie hat dazu «Pollenn

®

» entwickelt, eine

interaktive webbasierte Geoplattform

(www.pollenn.ch

). Die intuitive digitale

Plattform ermöglicht Grundbesitzern

und Landwirten, auf ein zentrales Infor­

mationssystem zuzugreifen, das sie bei

der selbstständigen Elimination dieser

Pflanzen fachgerecht unterstützt. Für

diese Nutzer ist dieVerwendung kosten­

frei, Gemeinden bezahlen ein flexibles

Jahresabonnement. Ein solches Abon­

nement kann die Kosten der Bekämp­

fung der verbotenen Pflanzen für die

Gemeinden insgesamt senken. Denn

es vereinfacht massgeblich die Sensi­

bilisierung der Bevölkerung für das

Problem beziehungsweise die Kommu­

nikation mit allen Akteuren und die Ko­

ordination von Aktionen. Landbesitzer

können schnell und effizient in die kan­

tonale und kommunale Bekämpfung

von invasiven Neophyten einbezogen

werden. «Pollenn» bietet – ähnlich

wie Oracle es tut – Gratisanwendungen

mit kostenpflichtigen Zusatzleistungen.

Kurz gesagt, «Pollenn» unterstützt Land­

besitzer bei der Elimination der gefähr­

lichen Pflanzen auf ihren Grundstücken;

damit sparen Gemeinden Mittel, die sie

bei der Bekämpfung von invasiven Neo­

phyten im öffentlichen Raum einsetzen

können.

Landbesitzer erreichen und in Lösungen

einbeziehen

Landbesitzer kennen das Problem der

invasiven Neophyten oft nicht. Deshalb

denken sie auch nicht an mögliche Be­

kämpfungskosten oder die damit ver­

bundenen gesetzlichen Bestimmungen.

Allerdings sind sie gesetzlich nicht ver­

pflichtet, diese Pflanzen (mit Ausnahme

der Ambrosia) zu bekämpfen. «Pollenn»

macht sie aber darauf aufmerksam, dass

ihr Land an Wert verliert, wenn es mit

invasiven Neophyten belastet oder da­

von bedroht ist. Das Gesetz hält nämlich

fest, dass es verboten ist, die Pflanzen

in Verkehr zu bringen, und das heisst

auch, dass man die auf seinem eigenen

Boden enthaltenen Neophyten nicht mit

dem Grundstück weiterverkaufen darf.

Je länger man aber zuwartet, desto

mehr wachsen und vermehren sie sich

und desto teurer wird ihre Elimination.

Ein Beispiel: Um einen Quadratmeter

Boden vollständig vom Japanischen

Knöterich zu befreien, können Kosten

von mehreren tausend Franken anfal­

len. Man kann das Verhalten der Land­

besitzer in Bezug auf invasive Neophy­

ten am besten ändern, indem man sie

auf die Kosten beziehungsweise auf den

Wertverlust hinweist.

Daten und Informationen abstimmen

Landbesitzer haben wenig Zeit, und die

Bekämpfung der invasiven Neophyten

ist aufwendig und kostenintensiv. «Pol­

lenn» ist zu 100 Prozent mit der nationa­

len Datenbank kompatibel und ergänzt

die «InvasivApp» von Info Flora. Es zeigt

in Echtzeit auf, wie sich die 18 verbote­

nen Neophyten in der ganzen Schweiz

verbreiten. Dank der umfassenden und

pädagogischen Sicht auf das Problem

sind Grundstückbesitzer schneller ge­

neigt, abzuklären, ob auf ihrem Land

schädliche Pflanzen wachsen, weil sie

durch das einfache und genaue Bekämp­

fungsinstrument richtig bestimmen kön­

nen. Sie können zudem einen Kostenbe­

richt herunterladen mit Empfehlungen

zur Eliminierung, gemäss den Richtlinien

der «Arbeitsgruppe invasive Neobiota».

Marc Vogt, Initiator der digitalen Geoplatt-

form «Pollenn®».

Bild: IN-FINITUDE

Für die vollständige Befreiung eines Quad-

ratmeters Boden vom Japanischen Knöte-

rich können Kosten von mehreren tausend

Franken anfallen.

Bild: Info Flora